Giardien-Infektion bei Hund und Katze — Tierärztliche Praxis Dr. Marco Atzeni
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Giardien-Infektion bei Hund und Katze

Welche Hygienemaßnahmen sind empfehlenswert?

Leiden Hund oder Katze an Durchfällen, Erbrechen, Gewichtsverlust und
Schwäche, kann eine Infektion mit Giardien dahinterstecken. Die Parasiten
sind nicht immer einfach zu bekämpfen. Gezielte Hygienemaßnahmen sind
deshalb entscheidend für den Erfolg der Behandlung und schützen zudem
vor einer Reinfektion.
Die kleinen, einzelligen Parasiten der Gattung Giardia duodenalis
können sich bei Hunden und Katzen an der Darmschleimhaut ansiedeln
und dort zu Verdauungsstörungen, anhaltenden oder wiederkehrenden
Durchfällen sowie Erbrechen führen. Oft tritt das Krankheitsbild auch mit
Gewichtsverlust und Schwäche auf. Grundsätzlich kommen Giardien-Infektionen
bei Hunden und Katzen aller Altersstufen vor, besonders häufig aber treten sie
bei Jungtieren unter 1 Jahr auf.

Wie stecken sich Hunde und Katzen mit Giardien an?

Eine Ansteckung mit Giardien erfolgt über eine klassische Schmutz- oder
Schmierinfektion. Quellen der Ansteckung können fäkal kontaminierte Erde,
Wasser oder Futtermittel sein, die die sehr widerstandsfähigen Giardien-Zysten
enthalten: Diese sind unmittelbar ansteckend, sie bleiben in feuchter
Umgebung mindestens 3 Monate und in Kot rund 1 Woche infektiös. Bereits
die Aufnahme weniger Zysten reicht für eine Ansteckung aus.
 
Da mit Giardien infizierte Hunde und Katzen die mit bloßem Auge nicht sichtbaren
Giardien-Zysten mit ihrem Kot ausscheiden, können sie zum einen andere
Tiere anstecken, die solche Zysten oral aufnehmen. Zum anderen
können sie sich auch selbst immer wieder neu infizieren.
Sind die Giardien-Zysten erst einmal geschluckt, besiedeln sie den Dünndarm,
entwickeln und vermehren sich dort durch wiederholte Teilung. Die Zysten
gelangen schließlich mit dem Kot in die Umwelt, wobei es von der Ansteckung
bis zur Ausscheidung zwischen 4 und 16 Tagen dauert. Da befallene Tiere
die Zysten in der Regel über mehrere Wochen oder Monate ausscheiden, sind
sie eine anhaltende Ansteckungsgefahr für andere Tiere.

Vorsicht!

Giardien-Zysten sind sehr widerstandsfähig! In feuchter
Umgebung wie etwa feuchter Erde können sie mindestens
3 Monate ansteckend bleiben und in Kot etwa 7 Tage.

Gut zu wissen:

Nicht nur Hunde und Katzen, auch Wildtiere und andere Tiere können befallen sein. Auch eine Übertragung auf den Menschen – und umgekehrt vom Menschen auf das Tier – ist in seltenen Fällen möglich.

Wie äußert sich eine Giardien-Infektion?

Eine Giardien-Infektion verläuft häufig inapparent,
d. h. ohne Krankheitserscheinungen. Bei gesunden, ausgewachsenen Hunden und Katzen bemerken
Tierhalter einen Befall oft gar nicht. Zu Krankheitszeichen kommt es vor
allem bei Hunde- oder Katzenwelpen sowie bei Tieren, deren Immunsystem
geschwächt ist und/oder bei denen bereits eine Infektion mit anderen Erregern vorliegt.
Typisch für einen Giardien-Befall sind schwere, anhaltende oder
wiederkehrende Durchfälle mit dünnbreiiger bis wässriger Kotkonsistenz und
Schleimhautbeimengungen.
 
Zudem leiden erkrankte Tiere an:
• Appetitmangel
• Schwäche
• Erbrechen
• Gewichtsverlust

Wie lässt sich ein Giardien-Befall nachweisen?

Zur Diagnose stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Mit dem ELISA-Test
etwa lassen sich Bestandteile der Giardien im Tierkot nachweisen,
die sogenannten Kopro-Antigene. Dieser Kopro-Antigen-Nachweis ist deutlich
sensitiver als eine Flotationsmethode, hat aber auch seine Schwächen: Ein
positiver Kopro-Antigen-Befund kann auch vorliegen, wenn das Tier nicht
mehr klinisch erkrankt ist. Daher ist es wichtig, den Gesundheitsstatus
des betreffenden Tieres stets mit in die Diagnosestellung einzubeziehen.
Mit der Flotationsmethode lassen sich die Zysten der Giardien
direkt unter dem Mikroskop erkennen. Da mit Giardien infizierte Tiere
nicht zu jedem Zeitpunkt Zysten ausscheiden, ist deren Nachweis jedoch
häufig nicht geeignet, um die Infektion zu bestätigen. Um auf Nummer
sicher zu gehen, sollten Tierhalter den Kot ihres Tieres über mehrere
Tage hintereinander sammeln.
 
• gesammelt wird in Kotprobenröhrchen, die kostenlos in der Tierarztpraxis zur Verfügung gestellt werden
• für die Laboranalyse reicht eine kleine Menge an Kot
• Kotproben sollten nicht älter als 3 Tage alt sein und bis zur Abgabe kühl gelagert werden
• mit dem potenziell infektiösen Material sollte hygienisch umgegangen werden, um eine mögliche Ansteckung zu vermeiden.

Wie lässt sich eine Giardien-Infektion behandeln?

Ob ein Tier behandelt werden muss und wie, hängt von verschiedenen Faktoren ab:
Wenn Krankheitszeichen wie Durchfall, Appetitmangel oder Erbrechen
auftreten, ist eine medikamentöse Behandlung mit Fenbendazol oder Metronidazol angezeigt.
Diese Wirkstoffe finden sich in zwei Tierarzneimitteln, die
in Deutschland für die Behandlung gegen Giardien zugelassen sind. Je nach
Medikament erfolgt die Behandlung über 3 bis 5 Tage oder über 5 bis 7 Tage.
Anschließend ist über eine erneute Kotuntersuchung zu prüfen, ob die Behandlung erfolgreich war.
Sind noch Krankheitszeichen erkennbar und wurde das Tier erneut positiv getestet, ist die Behandlung zu wiederholen.
 
Klinisch unauffällige Giardien-Träger zu behandeln, wird nicht generell empfohlen.
Darüber sollte der Tierarzt individuell je nach Übertragungs- und Ansteckungsrisiko entscheiden.
Ist ein Übertragungsrisiko auf Kleinkinder oder
immunschwache Menschen gegeben oder besteht ein Ansteckungsrisiko auf
andere Tiere, etwa in Zuchten oder Tierheimen oder auf andere im
Haushalt lebende Tiere, sollte man auch ohne Krankheitszeichen eine Behandlung in Betracht ziehen.
 
Eine konsequente Hygiene schützt vor Reinfektionen.

Hygiene-Tipps bei Giardien-Befall:

• Aufsammeln und Entsorgen des Kotes im geschlossenen Plastikbeutel über den Hausmüll.
• Gründliche Reinigung aller mit Kot verunreinigten Oberflächen (Böden und Wände) mit anschließender vollständiger Abtrocknung, optimal ist der Einsatz von Dampfstrahlern (> 60 °C).
• Futter- und Trinkgefäße täglich mit kochendem Wasser säubern oder bei > 65 °C in der Spülmaschine reinigen.
• Katzentoiletten täglich mit kochendem Wasser säubern und anschließend gründlich abtrocknen.
• Decken oder Kissen heiß waschen (> 65 °C).
• Spielzeug mit kochendem Wasser oder in der Spülmaschine > 65 °C reinigen.
• Kratzbäume gründlich absaugen und reinigen.
• Tier gründlich baden und shampoonieren (z. B. mit chlorhexidindigluconathaltigen Produkten), um sie von anhaftenden Kotresten zu säubern, eventuell lange Haare im Analbereich scheren.
• Desinfektion von Flächen und Gegenständen mit geeigneten Desinfektionsmitteln. Empfehlen Sie Tierhaltern Mittel mit Kokzidien-Wirkung.

Gut zu wissen:

Das European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP) ist eine Vereinigung von europäischen
Veterinärparasitologen. Inzwischen sind 12 europäische Länder bei ESCCAP vertreten.
ESCCAP Deutschland bietet fundierte, unabhängige und kostenfreie Informationen, um Hunde und Katzen – aber auch den
Menschen (Zoonosen) – vor einem Befall mit Parasiten und dessen Folgen zu schützen.
www.esccap.de

Kurz und knapp

Eine Giardien-Infektion ist unangenehm, aber nicht lebensbedrohlich.
Behandelt werden sollte ein befallenes Tier vor allem, wenn es die typischen
Krankheitserscheinungen wie Durchfall zeigt, geschwächt ist oder Kontakt zu
Risikopatienten hat. Geeignet ist eine medikamentöse Behandlung mit Fenbendazol
oder Metronidazol. Um den Behandlungserfolg nicht zu gefährdenund das Tier vor Reinfektionen zu schützen, gilt es parallel gezielte Hygienemaßnahmen einzuhalten.
 
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